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Reiseberichte Nicaragua
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Gerti in Nicaragua
Reisebericht:
Eine Bürgerreise nach San Carlos war schon immer ein Traum, dieses Jahr hat es endgültig geklappt. 10 Leute steigen in Frankfurt widerwillig in eine amerikanische Maschine und lassen in New York, und auf dem Rückweg auch noch in Houston und New York die ganze Bandbreite des amerikanischen „Flugrechtsstaats“ über uns ergehen (inklusive, trotz Transits!), dass wir im Flughafen mit Unterschrift auf jegliche staatsbürgerlichen Rechte verzichten – ein sehr mulmiges Gefühl. In Costa Rica erwarten uns liebe Menschen, 2 Reiseleiter, ein Traumhotel in exotischer Naturlandschaft, Bier und endlich ein Bett.
Ankunft in San Carlos, Nicaragua
Am nächsten Tag geht es mit dem Bus über die Höhen Costa Ricas, vorbei an Wasserfällen, Maultieren Strassenständen und Rieseneidechsen in Bäumen nach Los Chiles, zu unserem Boot, das uns mit Musikbegleitung (reiner Zufall) durch eine traumhafte Dschungelflusslandschaft nach San Carlos bringt. Der 1. Eindruck war Staub, Schmutz, Wellblech, Kloake und eine Bretterbude über der Kloake als „Einwanderungsbehörde“.
Das also ist San Carlos, unsere Partnerstadt! Und das war und ist sie: keine geteerten Straßen, öfter Stromausfall, Wassermangel, inzwischen sehr hohe Preise für Lebensmittel, die sich viele nicht mehr leisten können, und und und. Aber auch: Empfang mit offenen Armen, Stolz, Herzlichkeit, Gastfreundschaft, Menschlichkeit, Offenheit und Neugierde. Manche Dinge sind wir leider nicht mehr gewohnt und man kommt ins Grübeln, was das Leben eigentlich lebenswert macht. Die Leute aus San Carlos allemal.
Ankunft in San Carlos, Nicaragua
Die nächsten Tage sind sehr anstrengend, aber auch interessant. Unsere „Partner“ werden besucht, bekommen Geschenke und beantworten unsere Frage. Wir besuchen 2 Kliniken, ein Kinderheim, Schulen, eine Pfarrstation 30 km außerhalb von SC (Fahrtdauer über Staubstrassen einfach ca. 2,5 Stunden) und bekommen mit viel Engagement ein vernetztes neues Projekt zur Bekämpfung des Missbrauchs bei Frauen vorgestellt, das ebenfalls von Nürnberg unterstützt wird.
Am letzten Abend werden wir trotz vieler Termine der Bürgermeisterin von dieser und ihrem Partnerschaftsreferenten zum Essen auf eine wunderschöne Dachterasse mit einem bekannten „Nica“-Gitarristen eingeladen, die Musik ist sehr schön, die umliegende Ballustrate im Schatten wird bald von applaudierenden „Schatten“ besetzt. Ein schönes Gefühl, das mit Wehmut begleitet ist, denn es heißt Abschied nehmen von San Carlos und seinen lieben und sehr engagierten Menschen. Es wurde uns ein tiefer, nicht touristischer und nachhaltiger Eindruck von unserer Partnerstadt mit seinen vielschichtigen und nicht leichten Problemen vermittelt, man bekommt einen ganz anderen Blick für dieses schöne Land.
Ankunft in San Carlos, Nicaragua
Der Vorteil für unsere Gruppe ist, dass wir fast alle Sehenswürdigkeiten und vor allem die Natur auf dem Wasserweg erkunden können. Es ist eine sehr angenehme und stressfreie Art des Reisens.
Unser Weg führt den San Juan entlang mit vielen Wasservögeln, Fischern, einfachen Behausungen am Fluss und einer traumhaften Unterkunft in Lodges (Tarzan lässt grüßen!) direkt am Fluss. Weiter geht es per Boot auf die Solentiname Inseln, die Kirche von Ernesto Cardinal wird besucht, keine noch so große Kathedrale kann die Religiosität vermitteln, die diese selbstgebaute und selbstbemalte Kirche ausstrahlt.
Natur pur ist angesagt, wir schippern mit dem Boot durch einen kleinen Fluss (African Queen lässt grüßen!) ins Naturschutzgebiet Los Guatuzos, am Südufer des Nicaragua-Sees. Vögel (Kolibris, etc) Affen, Faultiere, Kaimane und wir, höchstwahrscheinliche ebenfalls als exotische Spezies. Die dortige Schule führt uns ein selbstgeschriebenes Stück als Puppentheater über die Müllprobleme etc. auf. Die Übersetzung lässt uns in die Sicht- und Denkweise der Nicas eintauchen, einfach, aber sehr prosaisch und einfühlsam. Hängebrücken, brüllende Affen in der Nacht, rote Giftfrösche, große blaue Schmetterlinge, noch mehr Augen von Kaimanen im Wasser, etc. etc. Unvergleichlich und schön.
Ankunft in San Carlos, Nicaragua
Bootsfahrt über den Nicaragua-See, diesmal ohne Schieben des Bootes, obwohl die Regenzeit noch auf sich warten lässt, zur Vulkaninsel Ometepe. Vulkane, Staubstraßen, Vögel, nette Menschen, viele Pferde, ganz alte Schulbusse als normale Transportmittel und endliche ein Ruhetag auf der Insel direkt am Wasser.
Fahrrad, Pferd, Wasserfall, Wanderung, Lagune im Dschungel, Dschungelpfad, alles steht zur freien Verfügung, aber es ist auch schön, einfach die Seele baumeln zu lassen und in der Hängematte vor sich hin zu träumen, zu baden und sich in der Dschungellagune vorzukommen wie in einer anderen, friedvollen Welt.
Weiterfahrt nach Granada über Vulkane, Mompacho, Vulkane. Nebelwälder, Krater, Kraterseen und endlich über geteerte Strassen. Der Unterschied von Nord nach Süd ist sehr deutlich bemerkbar, und an den Strassen ersichtlich. Aber könnet ein Pferd, ein Maultier, ein Eselskarren, ein 40 Jahre altes DDRbusvehikel auch auf einer geteerten Straße weiterkommen, ohne Schaden zu erleiden?
Hotel in Granada
In Granada erwartet uns ein sehr schönes Hotel, Luxus, Stadtleben, etwas Tourismus, schöne Märkte und religiöse Feste. Einkäufe, Gewürze schnuppern, sich treiben lassen vom bunten Marktgeschehen, fotographieren, was die Menschen in Nicaragua erstaunlicherweise erfreut, sich mit den Bewohnern mit Gesten und Blicken unterhalten und lachen und sich einfach wohl fühlen. Ausflug zu den Isletas, nach Managua (eine sehr hässliche Stadt), und nochmals Vulkane, sogar ein aktiver, Natur, Lagunen, Märkte.
Hotel in Granada
Die Zeit ist leider viel zu schnell vorbei, einige von uns könnten locker noch hier bleiben, unsere 2 Reiseleiter verabschieden uns am Flughafen, und auf geht’s wieder in eine andere Welt. Ob sie schöner, oder besser oder einfach ganz anders ist, bleibt jedem selbst überlassen. Wohltuend war, in einer guten Gemeinschaft zu reisen und von einer menschlichen Gemeinschaft einfach aufgenommen zu werden, mit Herzlichkeit, manchmal Staunen, Selbstbewusstsein und Offenheit.
Wichtig war es ebenfalls zu sehen, dass sich in San Carlos viele Menschen (auch Deutsche) engagieren, um die Verhältnisse zu ändern.
P.S. Es war schon fast so etwas wie „Heimatgefühl“, als wir auf dem Partnerschaftstreffen der Jugendlichen aus San Carlos, die zur Zeit in Nürnberg sind, nicaraguanische Lieder hörten (gespielt vom Sohn unseres Gitarristen in San Carlos). Gerti
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Nicaragua kennenlernen
Einen persönlicher Eindruck hinterlässt dieser Reisebericht mit einem Aufenthalt von zwei Wochen in Nicaragua.